* ausschnitte aus einem text von amine haase, erschienen im    kunstforum bd. 88, märz april 1987 

"radikale malerei"  *diese benennung erfolgt  in erster linie zur vereinfachung der verständigung auf eine bestimmte 
erscheinungsform von farbe, auf einen malerischen ausdruck, der zurückführt  zu den wurzeln der kunst. 
( radikal in unserem sinne kommt vom  lat. radice=wurzel )
*dass es bei einer malerei, die aus farbe, oft einer einzigen,  besteht, nicht um die wiederholung des immergleichen geht, 
sondern  um das erfassen von nuancen, war und ist unzweifelhaft seit der erkenntnis: die farbe erzeugt die form. 
allerdings ist der repetitive charakter der bildherstellung radikaler malerei nicht auf eine wiederholung immer 
wieder "letzter bilder" hin angelegt, quasi als hinweise auf eine strukturlosigkeit, die sich  in nichts auflöst und deren 
einziger bezugspunkt die kunst selbst ist.
*es kann folglich nicht allein um sehen gehen, sondern um ein-sehen. der maler tritt zurück und überlässt dem betrachter 
den inhalt. die einzige und endgültige aussage gibt es nicht, ebensowenig klischeevorstellungen - wie rot = drama, 
grün = natur etwa. radikale malerei verbindet nichts  mit vorstellungen, die sich aus übereinkünften unserer 
sprach-orientierten  kultur ergeben. ihr inhalt ist die malerei selber, und ihr  sinn ist ihr erleben.
     *radikale malerei bestand oder besteht ausserhalb bunt-schillernder luftblasen. sie hat sich nicht von hochfliegenden
      gedanken einiger post-philosophen in die lüfte heben lassen.           
*in überschneidungen entstehen starke verknüpfungspunkte zum menschen. und mit dem menschen hat 
radikale malerei essentiell zu tun.er ist das gegenüber der bilder, ihr - emanzipierter - betrachter.
*tatsächlich haben auch die bilder der radikalen malerei durchaus etwas mit sinnlichem genuss zu tun. im ausdruck 
dieser lebensbejahung liegen sicherlich die wesentlichen unterschiede heutiger radikaler malerei zu formen der kunst, 
die im amerika der fünfziger, sechziger jahre als chromatische abstraktion, color field painting entstanden und 
einer malerei, die im europa der siebziger jahre analytisch, fundamental, geplant genannt wurde. malerei, die hier 
unter dem begriff radikal präsentiert wird - ohne dass der gemeinschaftstitel irgendeine gruppierung bedeutet - hat 
sich aus der tradition  kunst-als-kunst gelöst und wendet sich, auch, dem leben zu.

*in jedem fall ist radikale malerei ein angebot an den menschen,  seine phantasie in bewegung zu halten. 
damit ist auch ein versprechen auf freiheit. selbst befreit - von allen abbild-verpflichtungen der kunstgeschichte - befreit 
sich das schauende gegenüber für den weg in imaginierte welten und eröffnet eine möglichkeit der selbstbefreiung. 
so hat dieses malen von farbe mehr mit raum und zeit zu tun als mit bildern im herkömmlichen sinne. und folglich 
erweitert radikale malerei die kontemplation zum handeln.
 
  Vortrag von Nino Weinstock über das „Radical  Painting“  anlässlich der Ausstellungseröffnung 
 „armin simon  - farbe, farbe und nichts als farbe?“ in der alten Mühle  in Niederurnen 
  am 14. September 2007 als  pdf Datei